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Feuervogel
Der Feuervogel war einer der letzten Bewohner, der die brennenden Wälder im Süden verließ. Als er flog, brannte er noch, sodass er in der Luft an einen Kometen mit Feuerschweif erinnerte. Sein Gefieder war von Bränden so gehärtet, dass es nicht verglühte, sondern ihn wie ein feuriger Panzer umschloss.

Wo früher nur Wälder gewesen waren, erstreckten sich jetzt endlose Felder mit Pflanzenreihen, deren Sinn im Dunkeln blieb. Der Feuervogel musste landen, um zu rasten, dabei gerieten die Felder in Brand und brannten völlig ab.

Er musste eine neue Umwelt finden, in der er überleben konnte. Er flog nach Norden, denn im Süden war jetzt keine Möglichkeit mehr für ihn. Eine große Stadt lag unten, ein Gebäude mit vielen Stockwerken fiel ihm ins Auge. Dies schien ein guter Platz zu sein, um zu rasten. Auf dem Gebäude stand in feurigen Lettern das Wort “Bank”. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder, nachdem der Feuervogel sich darauf niedergelasen hatte.

7. Juli 2018
12:00

Termine und Örtlichkeiten werden noch bekannt gegeben

Teil I

Es schaukelt das Zimmer
Im Sturm. Die Horde
Kartographiert ihre Himmelsrose
Geschmückte Haufen weisen den Weg
Die Vergangenheit fault auf dem Rücksitz
Türme fallen im Schlaf

(mehr …)

Teil I

Immer hängt als bläulicher Fetzen
Die Vergangenheit dort
Oben im Stillen
Wo die Verstaubung hüstelt
Reste im verschossenen Dach

(mehr …)

19. Mai 2018 20:00to19. Mai 2019 22:00

Termine und Örtlichkeiten werden noch bekannt gegeben. Voraussichtlich in einer örtlichen Buchhandlung.

Was einem Schriftsteller beim Radeln an der Mauer auffiel
Von Birgitt Loff (Berlin)

Die Grenzanlagen als Schauobjekt: „Macht es euch Spaß zu glotzen?“ erkundigt sich ein unbekannter Sprayer in Riesenlettern auf der Berliner Mauer. Offenbar ja, zumal „die Wüste lebt“. Oder, zynisch betrachtet: „Es lebe die Graffiti Mauer!“ Manchem zuckt es in den Fingern, sobald er davorsteht: “We came, we saw, we painted” (Wir kamen, wir sahen, wir malten).

Tage lang radelte der Schriftsteller Claus Hebell „Immer an der Wand entlang“ (Sprüh-Parole), um Sprüche zu notieren. Unterwegs war er von Heidelbergerstraße bis Heidelberger Straße, einmal rundum, 165 Kilometer. Den von Westberlinern und bemalten Wall zwischen zwei politischen Welten erlebte der 30jährige als „Identitätskarte für menschliches Leben“. Auf sechs Seiten aneinandergereiht, veröffentlichte er jetzt seine Sammlung von Graffiti in der in Berlin erscheinenden Literatur- und Kunst-Zeitschrift „KULTuhr“.

Zielscheibe für friedliche und aggressive, ideologische und ironische Sprüche ist am häufigsten das Beton-Ungeheuer, auf dem sie zu lesen sind. „Die Mauer schützt auf Dauer nur den Erbauer“, heißt es auf grauem Grund, oder, frommer Wunsch: „Schade, daß Beton nicht brennt“. Andere meinen kühl: „Diese Mauer kann nun wirklich weg“ oder hoffen”Sesam open” (Sesam, öffne Dich!). Neben einer aufgesprühten Tür mit Klinke findet sich das Versprechen: „Wer hier durchgeht, kriegt von mir 1 Mark.“ Gewarnt wird: „Eintritt auf eigene Gefahr“ oder, ironisch bezugnehmend auf die offiziellen Schilder an den Sektorengrenzen längs der Mauer: “You are leaving the cauliflower sector now” (Sie verlassen jetzt den Blumenkohl-Sektor). Schließlich der gutgemeinte Rat: “Make love, not walls” (Macht Liebe, nicht Mauern).
Gefragt ist die „Auflösung der NATO und des Warschauer Paktes“ denn „Pickel in Ost und West halten an der Rüstung fest“. Unübersehbar lautet die Mauer-Lektion: „1. Weltkrieg = 5 Prozent Ziviltote, 2. Weltkrieg = 48 Prozent Ziviltote, Koreakrieg = 84 Prozent Ziviltote, 3. Weltkrieg wird 100 Prozent Ziviltote“. Folgich: „Schluß mit der Hochrüstung!“ und „Petting statt Pershing“.
Anstelle von Waffen verlangt ein Sprayer „Sexbomben für die DDR“, ein Kollege mockiert sich über die im anderen Deutschland üblichen Solidaritäts-Transparente: „Es lebe die DDR, unser sozialistisches Vaterland!“ Durch den Kakao gezogen werden alle Seiten: “In the West there is dope and chocolate for everybody” (Im Westen gibt’s Drogen und Schokolade für jedermann).
Keine Autorität ist vor den Sprüchemachern sicher. „Holt Ronny runter vom Sockel“, verlangen sie, und veräppeln den Verfassungsschutz: „Wer guckt in alle Abfallkisten, wer jagt im Hof nach Anarchisten?“ Einer dieser Anarchos verrät sein Rezept: „Macht aus dem Staat Grukensalat“.
Bekenntnisse zur gesunden Kost werden abgelegt: „Da wo mein Müsli dampft, da bin ich umverkrampft.“ Verewigt sind Grüße „an alle, die die Hose mit der Kneifzange anziehen“ und an „Gerd zum Geburtstag“ ebenso wie Reklame für den Laden „Second hand Waldemarstr. 19“ oder die Stoßseufzer: „Ich hasse alle Katzen“, „Wendy, Du blöde Kuh, ich mag Dich!“ und „Nie wieder Hertha BSC in der Bundesliga!!!“ Einer will „Punk Rock in Bangkok“, denn die Diagnose lautet: „Reisefieber ist endlos.“ Ehemänner sehen sich gewarnt: „Achtet auf Hausfreunde – es gibt eine Menge.“
Ein Philosoph meint: „Abreißen ist besser als sprayen.“ Entnervt vom Fleiß0 seiner Kollegen kommt ein Graffitti-Schreiber an anderer Stelle zu ganz anderen Schlüssen: “May we have another wall please. This one is dirty” (Können wir bitte noch eine Mauer haben. Diese hier ist drecking). BIRGIT LOFF (Berlin)

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Sublunare Mediatation

Sublunare Mediatation — Litanei und Zement

On 04, Mai 2017 | No Comments | In Sublunare Mediatation | By ch

Teil I

Es schaukelt das Zimmer
Im Sturm. Die Horde
Kartographiert ihre Himmelsrose
Geschmückte Haufen weisen den Weg
Die Vergangenheit fault auf dem Rücksitz
Türme fallen im Schlaf

Kurz vor dem Ziel:
Unter dem Asphalt
Der Mann
Nahaufnahme einer Welt
Die sich den Sack überstülpt
Auf dem Rücken des Bunkers

Die geheiligte Hirschkuh hustet im Spind
Mutter Eule rostet im Dunkel
Die gesegneten Leiber suchen das Heil
„Was beginnt man denn jetzt?“ fragen die einen
„Schwarz werden“, sagen die andern
Vorwarntexte läuten im Duschbett
Auf dem Spielplatz mit der einsamen Rutsche:
Spähten ihm nach die tausend Kamele

Schwester kämpft mit dem Fusel
Andreas liebte das Bienchen
Eine Sirene blieb einsam zurück
„Good Morning“, sprach Herr Stubenbenreuter
Auch auf dem Mond

Was wird denn nun ?
Vor längerer Zeit kam hier einer vorbei
In den Nächten träumten wir:
„Liebes Unheil“, schrieb er ins Stammbuch
Bei den Bergen hinter den Zwergen
Die Genossen in Tigerhosen
Keine Ahnung was läuft.
Mimikry ist die beste Verteilung

Teil II

Alle Akteure fummeln am Zeiger
Luftballons wursteln im Phosphorlicht
Der Photosynthese
Affenkriege am Wasserloch
Schafskopf der Wiesen
Blökender Roland
Alles war wieder da

Die Geschichte der Wolken:
Schmilzt in der Sonne der
Besserwisser
Schwarze Löcher
Sehen dich an
Passivität, sprach die Milchkuh
Dionisios:
Seine Größe als Besenstil
Besoff sich mit Tieren
Machte den Hohepriestern in den Salat
Wo seid ihr
Wenn das Raumschiff verglüht?
Kommt, es will raus!

Wenn die Trauergäste fort sind
Fragte der Bettvorleger
Und drückte den Kopf des Geparden.
Höhere Weisheit wäscht sich nicht mehr
Schwafelt daher
Bettelt am Zoo, klaut Brötchen
Der weiße Leopard macht nicht mehr mit
Steht in der Zeitung

Das überfischte Nachtgeschirr
Gehört Laokoon
King Minos schafft den Auerochsen ab
Der Rest des Rudels kann im Zoo versauern
Der Bauer grübelt und der Dodo bricht

Mit einer Säge ist es nicht so schwer
Wir brauchen nicht mehr den Klabautermann!
Mit seiner Dämmerstunde
Hobo- Schlobo bildet Übermenschen aus
Der zerstörte Pyjama kreuzt vor Monaco
Der falsche Doktor auf der Luxusdschunke
Heilt alle Fabrikanten
Im Cockpit schnarcht Herr Mustermann

Das Fresskartell
Auf den Bergen des Herzens
Tätigt Milliardendeals
Im Weltraumschloss der Modepuppe

Der Kapitän auf seinem Seelverkäufer
Verbrennt den Kopfsalat auf hoher See
Schön ist die Schleiche
Im Hungerstreik

Jetzt steigen Seifenblasen hoch hinauf
Zu suchen
Den Heiland
Im Himmel

Es taumelt dahin
Das Geheimnis der Hutschnur
Grauhaarig steht es im Raum
Sekunden bevor die Küchenfee
Mit ihrer Klatsche zuschlug
Fing Wölfchen mit dem Singen an
Von unterm Rosenbeet

Ihr Lämmchen werdet all am Haken hängen
„Der große Zampano ist wieder da!
Topfschlagen, Brausepulverpulver, Ratzeputz!“

Mit zehn Raketen stieg Jehova auf
Die alten Poltergeister
Die Ehrenretter mit Verheißungsbrei
Gehirne flöten Sickergrubenschmalz
Eines Tages wird man begreifen
Alle!

Die Haut des Todes ist ein Wiegenlied
In seiner Nische werden Blicke grau
O Kinder, wie die Lippen blau
Die Zeit vergeht, die Decke kreist
Beschwipste Socken spielen Fliegen kriegen

Schon konnte man den Nachbarn zittern sehen
Weil seine Hose sich zu Blei verfärbte
Am Küchentisch das Marmeladenglas
Die Erde flog
Vergreiste Engel machen Marschmusik
Scham und Brambilla

Auf seinen Krücken balanciert das Karussell
Zum Mond
Heureka, Fliegenklatsche!

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