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Feuervogel
Der Feuervogel war einer der letzten Bewohner, der die brennenden Wälder im Süden verließ. Als er flog, brannte er noch, sodass er in der Luft an einen Kometen mit Feuerschweif erinnerte. Sein Gefieder war von Bränden so gehärtet, dass es nicht verglühte, sondern ihn wie ein feuriger Panzer umschloss.

Wo früher nur Wälder gewesen waren, erstreckten sich jetzt endlose Felder mit Pflanzenreihen, deren Sinn im Dunkeln blieb. Der Feuervogel musste landen, um zu rasten, dabei gerieten die Felder in Brand und brannten völlig ab.

Er musste eine neue Umwelt finden, in der er überleben konnte. Er flog nach Norden, denn im Süden war jetzt keine Möglichkeit mehr für ihn. Eine große Stadt lag unten, ein Gebäude mit vielen Stockwerken fiel ihm ins Auge. Dies schien ein guter Platz zu sein, um zu rasten. Auf dem Gebäude stand in feurigen Lettern das Wort “Bank”. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder, nachdem der Feuervogel sich darauf niedergelasen hatte.

Termine und Örtlichkeiten werden noch bekannt gegeben

Teil I

Es schaukelt das Zimmer
Im Sturm. Die Horde
Kartographiert ihre Himmelsrose
Geschmückte Haufen weisen den Weg
Die Vergangenheit fault auf dem Rücksitz
Türme fallen im Schlaf

(mehr …)

Teil I

Immer hängt als bläulicher Fetzen
Die Vergangenheit dort
Oben im Stillen
Wo die Verstaubung hüstelt
Reste im verschossenen Dach

(mehr …)

Termine und Örtlichkeiten werden noch bekannt gegeben. Voraussichtlich in einer örtlichen Buchhandlung.

Was einem Schriftsteller beim Radeln an der Mauer auffiel
Von Birgitt Loff (Berlin)

Die Grenzanlagen als Schauobjekt: „Macht es euch Spaß zu glotzen?“ erkundigt sich ein unbekannter Sprayer in Riesenlettern auf der Berliner Mauer. Offenbar ja, zumal „die Wüste lebt“. Oder, zynisch betrachtet: „Es lebe die Graffiti Mauer!“ Manchem zuckt es in den Fingern, sobald er davorsteht: “We came, we saw, we painted” (Wir kamen, wir sahen, wir malten).

Tage lang radelte der Schriftsteller Claus Hebell „Immer an der Wand entlang“ (Sprüh-Parole), um Sprüche zu notieren. Unterwegs war er von Heidelbergerstraße bis Heidelberger Straße, einmal rundum, 165 Kilometer. Den von Westberlinern und bemalten Wall zwischen zwei politischen Welten erlebte der 30jährige als „Identitätskarte für menschliches Leben“. Auf sechs Seiten aneinandergereiht, veröffentlichte er jetzt seine Sammlung von Graffiti in der in Berlin erscheinenden Literatur- und Kunst-Zeitschrift „KULTuhr“.

Zielscheibe für friedliche und aggressive, ideologische und ironische Sprüche ist am häufigsten das Beton-Ungeheuer, auf dem sie zu lesen sind. „Die Mauer schützt auf Dauer nur den Erbauer“, heißt es auf grauem Grund, oder, frommer Wunsch: „Schade, daß Beton nicht brennt“. Andere meinen kühl: „Diese Mauer kann nun wirklich weg“ oder hoffen”Sesam open” (Sesam, öffne Dich!). Neben einer aufgesprühten Tür mit Klinke findet sich das Versprechen: „Wer hier durchgeht, kriegt von mir 1 Mark.“ Gewarnt wird: „Eintritt auf eigene Gefahr“ oder, ironisch bezugnehmend auf die offiziellen Schilder an den Sektorengrenzen längs der Mauer: “You are leaving the cauliflower sector now” (Sie verlassen jetzt den Blumenkohl-Sektor). Schließlich der gutgemeinte Rat: “Make love, not walls” (Macht Liebe, nicht Mauern).
Gefragt ist die „Auflösung der NATO und des Warschauer Paktes“ denn „Pickel in Ost und West halten an der Rüstung fest“. Unübersehbar lautet die Mauer-Lektion: „1. Weltkrieg = 5 Prozent Ziviltote, 2. Weltkrieg = 48 Prozent Ziviltote, Koreakrieg = 84 Prozent Ziviltote, 3. Weltkrieg wird 100 Prozent Ziviltote“. Folgich: „Schluß mit der Hochrüstung!“ und „Petting statt Pershing“.
Anstelle von Waffen verlangt ein Sprayer „Sexbomben für die DDR“, ein Kollege mockiert sich über die im anderen Deutschland üblichen Solidaritäts-Transparente: „Es lebe die DDR, unser sozialistisches Vaterland!“ Durch den Kakao gezogen werden alle Seiten: “In the West there is dope and chocolate for everybody” (Im Westen gibt’s Drogen und Schokolade für jedermann).
Keine Autorität ist vor den Sprüchemachern sicher. „Holt Ronny runter vom Sockel“, verlangen sie, und veräppeln den Verfassungsschutz: „Wer guckt in alle Abfallkisten, wer jagt im Hof nach Anarchisten?“ Einer dieser Anarchos verrät sein Rezept: „Macht aus dem Staat Grukensalat“.
Bekenntnisse zur gesunden Kost werden abgelegt: „Da wo mein Müsli dampft, da bin ich umverkrampft.“ Verewigt sind Grüße „an alle, die die Hose mit der Kneifzange anziehen“ und an „Gerd zum Geburtstag“ ebenso wie Reklame für den Laden „Second hand Waldemarstr. 19“ oder die Stoßseufzer: „Ich hasse alle Katzen“, „Wendy, Du blöde Kuh, ich mag Dich!“ und „Nie wieder Hertha BSC in der Bundesliga!!!“ Einer will „Punk Rock in Bangkok“, denn die Diagnose lautet: „Reisefieber ist endlos.“ Ehemänner sehen sich gewarnt: „Achtet auf Hausfreunde – es gibt eine Menge.“
Ein Philosoph meint: „Abreißen ist besser als sprayen.“ Entnervt vom Fleiß0 seiner Kollegen kommt ein Graffitti-Schreiber an anderer Stelle zu ganz anderen Schlüssen: “May we have another wall please. This one is dirty” (Können wir bitte noch eine Mauer haben. Diese hier ist drecking). BIRGIT LOFF (Berlin)

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Sub Specie

Gedichte

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Nummer 1:   Auszug der Fee
Am Sonnabend
  Um halb drei trat
  sie auf den Balkon.
     Die Stadt war unten .

  Der Schmerz war jetzt so sinnlos
  geworden, dass sie beschloss,
in die Welt zurückzukehren,
      aus der sie gekommen war.
      Ein kurzer Anlauf genügte

Wen hatte sie hier gehabt?
Den Elektromann  mit der  Nase,
     den Mann mit der Kifferzunge
     und..?

Sie wusste, wie man nachher
  aussieht. Im Flug
   hörte sie die Musik,
   die ihren Auftritt begleitet hatte.

Auf dem Friedhof in X
sah ich ihr  Foto über
   dem Kreuz.
 
Der Schnee auf den Steinen
fror mehr als sie selbst.

Nummer 2:   Shopping comes home
      Heil dir, 
   globaler Konsumidiot,
     einschließlich des Mülls in den Meeren,
   der dein Fressen 
        besingt.

     Deine blubbernden Därme,
    dein explodierendes  Hinterteil  
     und die Gemütlichkeit, mit der du
  den Globus in einen
   Haufen Abfall verwandelst.

Die Wälder des Südens
        wandern durch deinen Magen, 
        die Meere des Eozäns
        durch deinen Auspuff,
     UND:  
        die Wahrheit durch deinen Schornstein.
 
Wie wird das aussehen,
was du zurücklässt
       gekreuzigter Frosch,
       wenn das  Fressen vorbei ist?
   
   Eine Fratze, die dement auf 
        Bildschirme starrt, 
    über die die Irrlichter flackern.

Nummer 3:   Hier
Hier in der Frühe  des 
       Watts, wo
die Schlickwürmer grasen,
     schläft das begrabene Kind.

Die aufgerissene Küste
 wartet auf Deichbruch
 und Sturmflut.

   Im Traum sattelt man wieder
   das Pferd des Schimmelreiters,
auf dem abgerissenen  Dach treibst
du landeinwärts

Wo das Wasser  sich setzt,
   findet man sich   
   in der sumpfigen Spur  
   des Landes von 
      niemand  
        
 
Nummer 4:   Eros
Singe mir, Muse, den heiligen 
    Nachttopf 
des Eros und
   den Recken, der ihn nun
   schon so lange 
        bewohnt.

„Eros“ sagte der Recke, 
         nun schon im fünften Jahrzehnt-
   „Einst unterschied ich 
    Platon und den höheren Stil des
     pornografisch
    gestimmten Gebets.

Später begriff ich,  dass
      es besser ist, 
  möglichst  schnell zu vergessen.

Wenn dich Eros betrifft
bist du wie nachts aus dem Bett.  

   Selige Sehnsucht hat es gewusst
   und entging dem Abschied
   nur knapp.
Auch die berühmteste Fee,
sprang aus dem neunzehnten
   Stock, 
    vom Balkon 
   Eros im Blick“.

 
Kuckucksei 
           Nachttopf frei:  
              knapp ging der Nachttopf des Eros vorbei.

Nummer 5:   Lyrisches Ego
Die Gefühlswelt des lyrischen
 Egos ist etwas  komplex:
   Schwul, Neger, Jude,
   Kommunist – damit ist sie in etwa
     umschrieben.
  
Es schläft fast nie, wenn es
  träumt, kämpft sich die Brandung durch sein 
  limbisches System

In jeder Badewanne wartet  der
 Hai
  Frauen machen es völlig nervös,
  Geister haben sein Bettzeug versteckt

Buschmänner
sind seine einzigen Freunde
   Heimat kennen sie nicht
   hinter Stacheldraht  leben sie 
  ohne Begräbnis
    und 
         das Pack!    Das Pack!    Das Pack!
 
klaut  ihre Diamanten
   Amen, sagte der Sack
      Unterschrift: Hans  Fack

Nummer 6:   Unsere kreative
Als unsere kreative,
kleine
Straßengang den Kaffeladen  
   um die  Ecke
   beklaute
  - ein paar alberne Schokoladenbonbons -
  krachte 
  das Weltgebäude zusammen.

   Die Familie schneuzte:
„Haltet den Dieb“
    Vati kam beschuckelt  nach Hause

Zum Glück waren die anderen 
Schuld,
die uns Pimpfe verleitet und… und…
    gewissermaßen 
   angestiftet hatten

Ja, sie waren des Krieges
müde. 
     nun  herrschte Marol.  

    Aber Marol mit Lakriz! 

Nummer 7:   Schön war die Zeit
Schön war die Zeit mit der
Massenverbreitung des
   Overkills, 
und  der Erwartung des  ewigen 
Winters. 
      Plumps  
     Fallera   mit der Aktentasche 
     (Refrain)   
  
  Als die Pilze am Himmel
  standen  und 
   der Nachbar 
  schon tot war, bevor er   
        piep sagen konnte.
   
   Ein Gespensterbild an der 
    Wand durchgepaust in 
    posierter  Groteske
 
     Hopsassa –Bums—Fallera 
    mit der Aktentasche

Die Politiker unken : 
  Alles schön 
  gewöhnlich  hier 
    unten 
   ob das Chaos nun kam
oder nicht


Im Privatbunker   Party

Warum ging es dann doch nicht los?
  war n´ Zufall 
   oder so ähnlich    
    
 Plumsfallera  
   und die Aktentasche 
 
 Die Lotterie dieser 
 Art Metaphysik
         ist noch nicht näher erforscht, aber
    die Reste sind ja noch da: 
           Also darf man noch  hoffen. 
  
   Schön war die Zeit,
    ach, sie ist weit.

Nummer 8:   Wer wir sind
Wer wir sind, wissen wir
nicht,  spurlos verläuft sich
    der Streusand der Träume
   unter dem Wasser


Auf das Ufer stoßen
  wir vor
     woher bleibt
     ohne Erklärung.
    
Da wartet  Mannschaft
  zwar mit offenen Augen,
aber  ohne Gesicht

Weiter hinten erhebt sich ein 
 Etwas
 undefinierbar im Dunst
     eine  Art als aztekisch
     geformter Terrasse.  
  
 War das unser Ziel?

Nummer 9:   Onkel Dagobert
„Onkel Dago“,
  sagte die Stimme
„geh nun wieder in deine 
   Wanne,  bade  herum
    in der Brühe
und verbreite den Duft“.

Mezzanine , NINJA und
 SWAPS , Montpelerin, 
   Schweiß der Verknappung

    Spielraum für
   kreative Kaskade. 
   Steht im Prospekt 
 
Hört, wie sie blöken die 
Kleinaktionäre  

   Hunger ist doch
    Ein    schönes  Gewächs, in der
  Nacht glänzt er  so schön  
wie das Erz
ohne Heimweh

Nummer 10:   Norchia
   Unterm Gemurmel der Bäche
   Spricht der Kaiser der 
          Toten. 
    „Morgen“, sagt er,
    steht ein Beben bevor und
    verschiebt  unsere Felsen.

Also rücken die Toten enger zusammen 
und ihr Geflüster ist 
 vorübergehend
     verstummt

      Rom schläft noch
      um diese Zeit
auf den Hügeln umarmt der Kaiser
die Massen: 

  Paulus   
    Wollte und  fragte :  
   „Tote, schlaft ihr ?“ 
   Etwas später hing er  
   friedlich am Kreuz.

Norchia schläft noch
um diese Zeit

Nummer 11:   Groschen
Hinten im Flur hing der Mantel.
   Wenn Papi schlief 
      fischte man
   sie  heraus:
      Silbrig glänzend lag
     die Mark in der Hand.  
  
  Fast wie eine uralter Fisch, überaus 
   kostbar, 
     auch die Groschen waren 
     nicht zu verachten.

   In der Erinnerung bleiben sie größer.
   Kindisch vergrub  
    man sein bisschen Gespartes
    in einer Büchse im Sand.

  Ernst war der Anblick der 
   grünlichen 
   Dame auf der papierenen 
  Zwanzig.

 Sie schien bedeuten zu wollen,
  dass ihr Sparwert sich übertrug
  wenn man sie
   bei sich behielt. 

Nummer 12:   Klappbett
    Als er noch  klein war, betete er:
   „ich bin dings , mein Herz ist 
     klein“. 
    Stand das Klappbett noch an der Wand – 
   mit der  Gardine davor.

    Nun ist das Beten vorbei
   jetzt beten andere,   
   auch das Klappbett, 
   ist weg. 

  Als nächstes folgt ihm der 
   Tod
  ohne Gebet ,
   ABER  
   das Klappbett wird 
       an ihn denken,
   in dem er schlief ohne einzuschlafen
   wie der schläfrige Gott 
     aller Zeit.

Nummer 13:   Beutelwolf
Ich bin nicht tot, 
        sagte    
   der Beutelwolf .  
  
 Die Jäger im weiten Revier 
  spitzten die Ohren, 
  hatten sie 
möglicherweise was übersehen? 
   Lebte von denen etwa  noch einer?

     Unaufhörlichen streifen sie
     durch Täler und 
    Höhen  und verschließen die Gene der 
    Toten im Sack, 
      damit sie nicht   
      auf die Erde.  

Alle zehn bis zwanzig
Minuten schaffen sie eine  Art.
  
  Glück auf,
 ihr tapferen Jäger:
die Nashörner warten auf euch.

Nummer 14:   Stimmen
Manche der Stimmen
kann man  noch hören, wenn
man das Ohr
 an die Erde legt.

       Nachts, 
wenn der Fernverkehr nicht
mehr durch Höfe und Schlafzimmer rollt.

Es sind nicht viele. Sie
sprechen von Alexander
 von Peter 
 Gähn im Silvester , Toten 
  und Tanten.

Einmal meinte ich,   
ich hätte etwas  gehört
    von jenseits des Tralla.
  
  Aber es war dann doch wohl nur
     Sams Piano, 
       das von 
    irgendwo sang, 
   Was es immer  schon gab.

Nummer 15:   Er
Er hatte   etwas 
    zu sagen , 
   wenn er mit Rülpsern 
   kommunizierte
   und seine Frau nicht mehr fand

  Es war Brot in der Nacht,
    und die  Geranien, er erklärte, 
   dass die Ratten 
  und so.  
   
Wenn wir in den 
 Verzeichnissen seine Überschrift lasen
wussten wir : das 
ist er.

Er ist immer noch hier.
Steht hinter Türen  im mulmigen
Hausflur,
    wo ihn niemand mehr 
    kennt

Nummer 16:   Oben im Norden
   Bei den Seen oben im Norden
  am Fluss
     war es die Kindheit.

  Chingachgook fuhr ihn
   über den Fluss 
       im  Kanu

Nur für Minuten: Dann war alles
vorbei.  

Später kam er noch einmal wieder : 
     Zirkus war jetzt dort: 
     Inschepuper und Cowboi.

 Die Federn eines Indianers
 muss man einzeln
begraben,
   wie gewöhnlich liegt er 
       hinten unter dem Asphalt.
 
   Wenn der Schlaf   
     Vorbei  ist,
   wird man ihn sehen,
   wenn auch ohne Gebein

Nummer 17:   Brief
Leer ist der Umschlag; 
   nicht mehr die Marke rechts 
        oben
       mit dem  kleinen Gesicht
 nicht mehr  der Sender, auch kein Empfänger 
mehr da.

Onkel, Tante, Geburtstag  – 
Sie  ruhen in Frieden

Und wo Onkel und Tante 
  jetzt ruhn 
  bleibt auch die Schrift.

Nummer 18:   Kind
  Die Pinie sang
  mit den  Zweigen 
  oben im Wind

Alles im  Haus sang mit, 
Teller 
Tassen und Türen, 
auch das schlafende Kind 
unten am Stamm. 

Mit jeder Windsbraut blähte das 
   Dach sich durch die Äonen, 
   bis an den Saum unverständlicher 
               Mystik.
 
Dann fällte  jemand den Baum. 

 Seitdem hat kein lebender
  Mensch das Haus mehr betreten

Nummer 19:   Babylons Bibliothek
Babylons Bibliothek endet im
Wolkenbegängnis  – 
    unten am Fuß 
     der wächserne Zwerg  
  wälzt Folianten.

 Mit dem Blättern fällt ihm der Staub
    aus den Händen.
  Auf der zweiten Stufe verliert er 
     die Übersicht völlig , so
unterlässt er den Aufstieg 
  zunächst.

      Vor seinem Abgang  
 will er versuchen,
  dreitausend Zeichensysteme
    schnell  zu verlernen.
      
    Allerdings weiß er noch  nicht, 
      ob er den Namen     
       irgendwo  findet.

Nummer 20:   Long Distance
    In einem anderen Leben war
    ich Fuzzi über 
    die lange Distanz 

  Nurmi, Satopek  und  dieser 
 Dritte – 
 waren meine nächsten Verwandten.
  
Sieg war egal,  
   mit ihnen lief ich
  durch Kilometer bis vor  
  die Tür der Fantasie

   Die lange Distanz  
   hat den Vorteil, 
 dass man hinter sich lässt, 
   gleich ob die Ziellinie
     schon  überschritten ist 
      und das Etwas 
    beginnt. 

Nummer 21:   Luja
   Tod, bleib mir 
   vom Leib, 
 bin noch nicht fertig, 
 Gevatter.

 Sind noch etliche Nullen drin.
  Hab noch nicht einmal 
   angefangen
  alles zu sagen, 
  was irgendwie 
  und 
   so weiter …

Die bessere Laune steht ja noch aus. Dreißig Bände 
  hab ich noch vor mir 
 madiger Sack, geduldig.

Dann kannst du das Ding
aufstellen, das die Begräbnisverordnung 
       Frieden getauft  hat : 
   Luja 

Nummer 22:   Onkel Joe
    Weiß nicht,  warum
    dein plötzlicher  Tod 
  uns so heillos
zurückließ.

Unter den Büchern bog  sich das Wandbrett 
  und noch mehr
  als du weg warst.

   Damals versperrte die Kletterrose 
    noch nicht den Weg
   die Veranda war ganz.
  
 Schmetterlinge saßen 
   auf der Budleya. 
  Irgendwie war die Welt
   noch die Welt. 
    
Und man wusste, welchen Vater 
man wollte.

 Sag mal piep, Onkel Joe,  
 ob du noch lebst.

Nummer 23:   Besuch
  Als du zurückkamst
  lächelten sie: Der begrabene 
   Dompfaff neben der Treppe
     und die Runde aus Stein

Nach der Zeit war alles wie 
  sonst.
   Heinrich von Kleist
   lag im Bett. 
Aber tot.
  
   Nur die Küchenschelle
  läutete nicht und auf der
   Budleya
  saß kein Schmetterling 
  mehr.

  Krause litt an  
  Migräne,  durch die Wand 
  waberte Wagner   
   
Gleich wird er da sein: Der 
   dir damals
  die Fresse einschlug.
    Das war die Stelle wo
    du Vergissmeinnicht suchtest
   mit Schwester 
  und die Stelle im Wald:  
    wo  Aldi.

Nummer 24:   Summertime
   Summertime
     und
    das Leben macht easy,
    der Rest des Textes ist unübersetzbar
    Porgy und Bess: 
  weiter  vorn
       auf dem Weg.

   Die Sonne, praller  
   Trompetenton  auf  einer 
 Glatze. 

 Sturmschwalben  treiben  über den
   sky, noch weiter oben 
     tragen die stählernen Vögel 
    zu einer
       neuartigen Form 
  von  Klimaschutz bei.

  Vorläufig Summertime:
  der Schritt des Bademeisters 
           eines  Zwei-Meter-Mannes
     sieht vertrauenserweckend aus.
      Fish are jumping 
      und dein Pappi ist reich---- 
          hush, little baby
          noch plumpst du nicht 
          in den
                    Entengrützteich.

Nummer 25:   Westerhever
Die Gestalten sind hier – 
   von der Küste fliehen sie weg, 
   während
   im Schlick die Wasseruhr
   gärt.

Nachts wartet der Mond
  über dem Leuchtturm
  hinten  im Dunkeln das Meer
   mit schwärzlicher Brandung.

      Man hört die Stimmen des Kinderheims 
      in den Zweigen 
      der Kiefern im Sand.
 
Onkel und Tante:
 Sagen sie dort
      heilige Wassersuppe, 
      krakelige Schrift.

Walzer :
 Das Fest auf Haderslevhus 
  mit dem Rücken 
   zum Wind

Nummer 26:   Drüben
Drüben schläft  der Etrusker
   über dem See,  
  hoch
 hab ich gesessen
  
     steht vielleicht noch der Stuhl,
      Tage, Wochen,
      und Jahre.

Imaginäre,  zeigen wollte ich 
  dir, auf den Feldern
  der Kunst: 
 Der Vulkansee und sein Sand aus schwärzlicher 
 Asche. 

   Amalasunta - am Ufer,
  liegt ihr Gebein,  
   drüben
     wo das Geißblatt verblüht.

   Auch ich war beinah hinüber: 
       Als ich losfuhr , 
   Charon im Nacken, 
         ohne zu wissen,
         dass nachmittags  Wellen
        den See überlaufen.
 Als Komiker hatte ich Glück.
Andere hatten es nicht und
                sind weg.  

Hat der Vulkan mich etwa lieb
   und der See? 
  weil ich noch da bin 
 ohne wie und 
  warum?

Nummer 27:   Grök!
        „Grök“!
   machte  der Goldfasan
   hinter den 
   Bäumen im Knick.  
    Der Leutnant  horchte,
 weil ihm der Ruf 
   etwas zu sagen schien aus 
  einer  vorvordenklichen  Zeit.

   In kurzen Schritten  kam er heran.
      Man sah ihn nie,
     aber solange er immer 
   vorbeikam, schien irgendwie 
     etwas   
     in  Ordnung.

Raupen, schwierig behaart,
schoben sich über den Weg,
Spuren waren 
im Schnee.

   Jahre später sah ich ihn wieder
   im Gehege: am 
     Drahtverhau 
      kam er entlang   
zwischen Hühnern 
      und  Enten  

Er erkannte mich nicht.

Nummer 28:   Baum
   Der Ausblick war hoch, 
   ging   
über Felder und Wiesen, 
  wir
  schleppten geklaute Bretter und 
nagelten sie 
quer  in den Baum für 
     ein Haus, Hainich
     und ich.

Irgendwann hörten wir auf.
    Grundlos , aber während wir
  schleppten, wuchs der 
    Baum , von
   uns nicht bemerkt   zu einer  
      Größe : und
      wir begriffen ohne zu wissen
     was es bedeutet, einen zu kennen
    wie ihn.

Nummer 29:   Zigarre
Während im Hinterhaus der Lumpensammler 
      sein Lied
      sang und der Bauchladenmann
     Mutti die Schnürsenkel zeigte,
versuchte 
     Furz auf dem Bunkerdach sich 
 an seiner ersten
     Zigarre.

Immer noch kotzend 
zog er nach Haus,
   hing vor dem Briefschlitz und der 
   Unbekannte 
   von neulich 
          rotzte  ihm 
   in die Pupille 
      Vati sah rein  „Finger in Hals“ 
           
Mitschnacker kam um die Ecke,
    Fliegen unter der Decke 
   Mann über Bord: 
      Reise hinter den Mond.      
         
 Kein guter Start für die 
    Raucherkarriere.

Nummer 30:   Stimme
    Ihre Stimme, war  da 
     auch wenn sie  
    nicht sang,  etwas, 
      das wegriss. 
     
   Dass sie tot ist, wäre schwer 
    zu beweisen.
 
         Da sitzt sie doch 
   in ihrer Wohnung 
   hinter dem Vorhang und wartet
        auf :
   den Galan mit der 
   Goldblattfrisur  
      und dem Grün im Gesicht

       Statt ihrer singen
      die Wände.
         Sie singen, 
          mit dem Wildwasserjet   
              über das Ende 
              auf dem Klosett.
                 Amen.